2011 - Spendenrekord für Dorfjugend

 

Spendenrekord für Dorfjugend

Selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein
AG Begegnung aus dem Sauerland machte Ferien in Salzbergen

bk Salzbergen/Ohne

Eine fast typische Hochzeit: Pastor Hans-Theo gibt seinen Segen, die Sektkorken knallen, der Brautstrauß fliegt unter dem Jubel der Hochzeitsgäste direkt in die Arme einer lachenden jungen Frau, der frisch vermählte Patrick gibt seiner strahlenden Braut Camilla einen zarten Kuss auf die Wange, Frank singt mit klarer Stimme „Ich bete an die Macht der Liebe“ und die Pferdekutschen warten darauf, die ausgelassene Festgesellschaft durch grüne Wiesen in die geschmückte Scheune des Bauerncafés „Anitas Milchgarten“ in Ohne zu bringen. Patrick und Camilla sind geistig behindert, Frank sitzt im Rollstuhl und Hans-Theo ist einer von fast 30 ehrenamtlichen Betreuern, die mit rund ebenso vielen behinderten Menschen eine erlebnisreiche Ferienfreizeit im Kolpingbildungshaus Salzbergen verbrachten.

Die integrative „AG Begegnung“ der katholischen Kirchengemeinde St. Johann Baptist aus dem sauerländischen Attendorn lädt seit 31 Jahren zur monatlichen Freizeitgestaltung ein. Den Teilnehmern ist, trotz aller Unterschiede, vieles gemeinsam: der Spaß an kreativem Tun und die Offenheit zum Zusammensein mit Menschen mit und ohne Behinderung.

Besonderer Höhepunkt ist die alle zwei Jahre stattfindende Ferienfreizeit, die nur dank der Einsatzbereitschaft ehrenamtlicher Betreuer ermöglicht werden kann, denn viele der Reiselustigen sind mehrfach geistig und körperlich schwerstbehindert und auf zuverlässige Rund-um-die-Uhr-Pflege angewiesen. „Unsere Urlauber entstammen einem häuslichen Umfeld und verbringen ereignisreiche Ferientage, während ihre Angehörigen von der Pflege entlastet werden“, sagt Heiner Fernholz, der gemeinsam mit Sabina Seithe als Leitungsteam agiert.
Sabine Seithe ist eine kleine Frau mit großem Organisationstalent, denn die „AG Begegnung“ gestaltet ihr abwechslungsreiches Komplexprogramm selbst. Neben vielen spaßigen Aktionen wie der Bauernhochzeit in Ohne probierte die unternehmungslustige Gruppe u. a. das Schwarzbrot in Enkings Mühle in Emsbüren, hatte Spaß bei den Müllerspielen in Lünne und stellte sich in Salzbergen dem Match gegen die Fußballmädchen des SVA, erhielt von den örtlichen Bänkelsängern ein spontanes Ständchen und im Feuerwehrmuseum das Diplom „Nasse Hose“, verbackte gemeinsam mit der Kolpingfamilie acht Kilo Mehl und zeigte sich neben der Vielfalt des südlichen Emslands vor allem begeistert von der Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Offenheit, die ihr überall und besonders auch im Kolpingbildungshaus Salzbergen entgegengebracht wurde. „Es ist bombastisch, wie flexibel Leitung, Verwaltung und die Küche des Kolpingbildungshauses auf unsere vielen Sonderwünsche eingehen“, zeigte sich Sabina Seithe begeistert von ihrer Herberge und verwies darauf, dass eine solch besondere Ferienfreizeit längst nicht überall und schon gar nicht spontan erfolgen könne.
Aufgrund der Schwerst- und Mehrfachbehinderungen der Mitreisenden sei eine jeweils rund eineinhalbjährige intensive Vorbereitungszeit notwendig. Ihr ausdrücklicher Dank galt den ehrenamtlichen Betreuern, die viel Zeit, Energie und Herzblut einbringen. Sabina Seithe betonte abschließend: „Wenn die „AG Begegnung“ ihre Koffer packt, dann ist es nicht nur Urlaub, sondern auch eine Reise in die soziale Integration. Denn Menschen mit Behinderungen wollen wie alle anderen Menschen ihr Leben selbst gestalten, eigenständig handeln und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein.“

Bildunterschriften:

1: Lebensfreude pur und überschäumende Stimmung nicht nur im Sektglas der Braut Camilla: Die Menschen mit und ohne Behinderungen der „AG Begegnung“ aus dem sauerländischen Attendorn genossen die Gastfreundschaft und Offenheit im südlichen Emsland.

2: Die „AG Begegnung“ organisierte ihr zweiwöchiges Spaßprogramm in beeindruckender Eigenregie. Brautpaar, Trauzeugen und Pastor posierten für ein Erinnerungsbild unter dem standesgemäßen Hochzeitsbogen.